VON GERD LÜDTKE, 04.04.11, 18:52h, aktualisiert 04.04.11, 19:18h
Sabine Kunze (r.), eine der beiden Leiterinnen vom Haus am See in Schlaitz, weiß nicht nur Interessantes über Fischadler zu berichten. (FOTO: ANDRÉ KEHRER)
SCHLAITZ/MZ. Die wenigen Streuobstwiesen, die noch verblieben sind, bieten nur noch geringen Schutz für jene Vogelart, die Hecken und vor allem offene Landschaften bevorzugt. Deshalb hat sie der Naturschutzbund (Nabu) nicht nur unter strengen Schutz gestellt, sondern auch zum Vogel des Jahres 2011 erklärt. Es handelt sich um den Gartenrotschwanz, nicht zu verwechseln mit dem doch relativ häufig vorkommenden Hausrotschwanz.
Dieser farbenfrohe Singvogel kann in unserer Region nur selten beobachtet werden. Da er ein ausgesprochener Zugvogel ist, verbringt er die Wintermonate in der Sahelzone Zentralafrikas. Ganz spezielle Vogelkästen und natürliche Baumhöhlen können helfen, diesem seltenen Vogel eine gute Nistgelegenheit zu geben und damit eine natürliche Ansiedlung zu unterstützen, so die Ausführungen zum Thema von Manfred Richter, Naturschutzhelfer im Landkreis Anhalt-Bitterfeld und Vorsitzender des Nabu-Regionalverbandes Bitterfeld-Wolfen.
Richter hielt am Sonntag einen Vortrag im Haus am See in Schlaitz zum Thema “Vogel des Jahres 2011″. Und er sprach ganz besonders zu den Lebensgewohnheiten und den ausgesprochenen Nahrungsquellen dieses Vogels. Gartenrotschwänzchen, so sagte er, bevorzugen Parks, naturbelassene Gärten und lockere Baumbestände. Hauptnahrungsquelle sind Insekten. Weil aber die Landwirtschaft und die Obstbauern häufig eine intensive Schädlingsbekämpfung vornehmen, gehen die natürlichen Futterangebote verloren, hieß es weiter.
Wie der Naturschutzhelfer vorrechnete, leben in Deutschland schätzungsweise 120 000 Brutpaare, im Altkreis Bitterfeld werden sie auf etwa 300 Paare geschätzt. In einer vom Nabu und dem bayerischen Landesbund für Vogelschutz herausgegebenen Broschüre wird mit aller Deutlichkeit darauf verwiesen, dass der Vogel des Jahres 2011 nicht mit dem doch häufiger vorkommenden Hausrotschwänzchen verwechselt werden darf. Diese Vogelart sei anspruchsloser und kann deutlich häufiger beobachtet werden. Richter konnte seine interessanten Ausführungen zum Vogel des Jahres auch mit eindrucksvollen Bildern belegen.
Die Mitarbeiter des Informationszentrums für Umwelt und Naturschutz “Haus am See”, unter der bewährten Leitung von Sabine Kunze und Susanne Grießbach, leisten in diesen Tagen eine vielschichtige Besucherbetreuung. Denn nicht nur der Vortrag hatte viele Besucher angelockt, sondern man wollte auch über das Schicksal des Fischadlermännchen Romeo etwas erfahren, der noch immer überfällig ist. Denn seit dem Jahr 2006, seitdem eine Kamera am ausgedienten Hochspannungsmast direkt neben dem Nest der Fischadler angebracht ist und die Bilder direkt ins Haus am See liefert, sei er immer Ende März aus seinem Winterquartier zurückgekehrt um den Horst für das Weibchen vorzubereiten.
Die Mitarbeiter vom Haus am See haben für das Ausbleiben von Romeo bislang keine Erklärung. “Romeo ist nicht beringt. Deshalb können wir sein Alter auch nur auf fast 20 Jahre schätzen. Es ist möglich, dass die etwa 7 000 Kilometer lange Flugstrecke von Afrika für den Senior zu strapaziös war. Dafür beobachten wir mit unserer Live-Kamera aber seit Tagen, wie andere Fischadler den Horst umkreisen, inspizieren und als mögliche Nistgelegenheit in Augenschein nehmen”, sagte Sabine Kunze am Sonntagnachmittag. “Unter Umständen müssen wir uns auf ein neues Pärchen einstellen, um unsere Besucher weiter mit Bildern aus dem Fischadlerhorst erfreuen können.”
Quelle: MZ-web.de
